Warm-Up 1, Artikel zum Lesen

Welche Untiefen und Klippen gibt es da draußen?  Und welche 10 Dinge solltest du dir zum Schutz deiner Privatsphäre einprägen?

Du bist fast immer Online

Online bist du inzwischen fast immer, z.B. wenn

  • dein Mobiltelefon oder dein PC eingeschaltet ist,
  • Du telefonierst, surfst, “googelst”,
  • Du mit Freunden “Fortnite” spielst oder einfach nur im Discord “abhängst”,
  • Du dir zu Hause deine Lieblingsserie auf Netflix “reinziehst”,
  • Du eine der unzähligen Apps auf deinem Handy nutzt oder
  • Du einfach ganz klassisch eine E-Mail versendest.

Selbst Autos, Haushaltsgeräte, Fernseher und Sensoren können über eine ständige Internetverbindung verfügen.

Ok, aber warum ist es ein Problem immer online zu sein?

Das Internet und die dahinter liegenden aktuellen Technologien und Kommunikationsprotokolle (ein sehr technisches Wort 😉) sind ursprünglich nicht darauf ausgelegt, die Privatsphäre der Nutzer zu schützen. Sie wurden zu einer Zeit “erfunden”, als es zunächst darum ging einen leichten Austausch zwischen wenigen Wissenschaftlern zu ermöglichen. An einen kommerziellen Missbrauch und Internet-Kriminalität waren damals nicht zu denken.

Neue Technologien und Dienstleistungen so zu konzipieren, dass sie die Privatsphäre der Nutzer schützen, wurde in der Vergangenheit eher als ein lästiges „Add-On“ behandelt, statt eine ethische und rechtliche Selbstverständlichkeit zu sein.

Den Gründern und Investoren eines Start-ups ging und geht es in der Regel um schnellstmögliche, globale Expansion. Jeder Player den wir heute kennen (z.B. auch Google, Facebook, WhatsApp, Instagram etc.), wollte mit seinen Angeboten zunächst so viele Nutzer wie möglich an sich binden. The Winner Takes it all.

Und noch schlimmer, die meisten dieser Technologie-Anbieter haben die Software ihrer Produkte so entwickelt, dass diese ganz bewusst in unsere Privatsphäre eindringen. Mit den so gewonnenen Daten wird sehr viel Geld verdient. Das nennen wir heute auch die Überwachungsökonomie. “Datenschutzrichtlinien” helfen dem Nutzer beim Schutz seiner Privatsphäre wenig und machen das Internet oft eher unbrauchbar.

Es ist daher wichtig, dass dir die folgenden 10 Grundregeln für dein Online-Leben einprägst und immer im Hinterkopf behältst.

10 WICHTIGE REGELN FÜR DEIN ONLINE-LEBEN

(1) Wir hinterlassen Spuren

Jede Suchanfrage, jede E-Mail, jeder Social-Media-Post und und jeder Re-Post erzeugt unsichtbare zusätzliche – so genannte Metadaten – die dann vom Hersteller digital lesbar, auswertbar sind und dir persönlich zugeordnet werden können.

Denk kurz darüber nach, was Du in deinem Leben schon alles “gegoogelt” hast. Du wirst dich nicht mehr an sehr viel erinnern können. Google aber kennt jede deiner Suchanfragen und kann sie dir zuordnen. Google kennt dich in vielen Aspekten besser, als Du dich selbst.

(2) Im Internet gibt es keine Anonymität

Es gibt im Internet keine Anonymität. Selbst ein sehr umsichtiger CyberSecurity-Experte hätte es wirklich schwer, seine Anonymität über einen längeren Zeitraum zu wahren.

(3) Informationen sind wertvoll

Informationen über uns werden im Interesse anderer verwendet – auch gegen uns.

Viele kostenlose Internetdienste und Apps  wie z.B. Twitter, Google, Facebook, Amazon, Kreditkarten, Bonuskarten erzielen einen Gewinn aus dem Verkauf der Daten, die sie über uns sammeln. Dies gilt sowohl für Informationen, die wir absichtlich veröffentlichen (Posts), als auch für die versteckten Teile in unserer Information, den oben genannten Metadaten. Oft werden Informationen von Datenhändlern und Ermittlungsbehörden aus verschiedenen Quellen kombiniert und zu aussagekräftigen Profilen verdichtet.

(4) Es “hört” immer jemand mit

Die Kommunikation über das Internet ist, – außer sie ist stark verschlüsselt, – nie nur zwischen zwei Parteien.

Unverschlüsselte Übertragungswege wie z.B. ein Telefongespräch, eine E-Mail oder SMS sind vergleichbar mit einer Postkarte, die auf dem Weg von A nach B über viele Computer transportiert und von jedem gelesen werden kann. Je nach Gesetzeslage und Land kann es sein, dass diese “Postkarte” kopiert und an staatliche Ermittlungsbehörden geschickt wird. Das nennt man dann anlasslose Vorratsdatenspeicherung.

(5) Teilen (Posten) bedeutet Kontrollverlust

Die Freigabe von Informationen über ein soziales Netzwerk (wie Twitter, Facebook oder YouTube) bedeutet, dass wir die Kontrolle über diese Informationen aufgeben – für immer.

(6) Die Such- und Auswertungsmöglichkeiten verbessern sich

Nur weil eine Information uns heute nicht zugeordnet werden kann, heißt das nicht, dass es morgen nicht möglich ist. Konnten dir z.B. Bilder (von einer öffentlichen Videokamera), auf denen Du zu sehen bist, bisher nicht zugeordnet werden, ist es denkbar, dass ein verbesserter Algorithmus es morgen kann.

(7) Online ist reales Leben

Online-Aktivitäten sind genauso ein Teil unseres Lebens wie unsere Offline-Aktivitäten. Sie sind miteinander verbunden und können unser Leben und unsere Beziehungen in gleicher Weise beeinflussen.

(8) Die Echtheit einer Identität ist nicht garantiert

Eine Identität im Internet zu erstellen oder sich für eine andere Person auszugeben, ist oft nur eine Sache von ein paar Klicks. Das bedeutet, dass Du nie ganz sicher sein kannst, mit wem Du kommunizierst, und dass jemand deine Online-Identität stehlen und sich für dich ausgeben könnte!

(9) Du kannst nicht entkommen

Man kann Fußspuren im Netz nicht vermeiden, indem man nicht online geht. Drei Beispiele:

  • Jemand fotografiert dich zufällig und stellt das Bild bei Instagram online. Instagram (Facebook) erkennt, dass auch Du auf dem Bild abgebildet bist und ordnet dir diese Information zu.
  • Die Überwachungskamera am Bahnhof arbeitet bereits mit Gesichtserkennung und nutzt Daten aus sozialen Medien zur Zuordnung.
  • Dein Handy in der Tasche macht bei einem Stadtbummel im Einkaufszentrum regelmäßige “Handshakes” mit erreichbaren WLAN-Routern der dort ansässigen Ladenbetreiber.

(10) Privatsphäre macht Arbeit

Du bist der Einzige der an deiner Privatsphäre ein Interesse hat! Zumindest, bis es ein Grundrecht auf digitale Privatsphäre und Selbstbestimmung” gibt.

Quellen, Tipps und Links zum Weiterlesen

Der obige Text ist eine Übersetzung vom Teaching Privacy Project und wurde vom International Computer Science Institute in Berkley unter Creative Commons Attribution 4.0 License (CC-BY) gestellt.